MGV Arion

 


Diesmal sollte es klappen! Nachdem die erste Tour 2005 vorzeitig eine Ende fand, weil Kalles Maschine ihren Geist aufgab und 2006 alle Reisepläne buchstäblich ins Wasser fielen, lautete die übereinstimmende Ansage der Reisewilligen diesmal: es wird gefahren und wenn es Sch.... regnet. Und so sah es zunächst auch aus. Zum Start am 17. Mai regnete es. Alle virtuellen Ausflüge in diverse Wettervorhersagen brachten immer nur ein eindeutiges Ergebnis: flächendeckend Regen über Deutschland, wenn auch mit dem ein oder anderen Hinweis, dass es wohl besser werden sollte. Also die Regenkombis übergestreift, Regenüberzieher für die Stiefel und Handschuhe, Bützchen für Mama und los gings. Die Mannschaft diesmal: Uli mit der kleinen Vigaro, unser gemeinsamer Freund Friedel aus Steinhausen auf der Deauville, Kalle und Hans auf den betagten BMW K 100.
 
Erstes Päuschen nach knapp 200 km auf der Raststätte Katzenfurth an der A 45, Käffchen, Pipi und dann wieder auf die Autobahn. Abfahrt an der Ausfahrt Wölfersheim. Der Hoherodskopf, mit 764 m der höchste Berg des Vogelsberges, war das erste Etappenziel. Bei immer noch beständigem Regen, versteht sich. Die herbschöne Landschaft des Vogelsberges entschädigte ein wenig und ein großer Abschnitt der ehemaligen Motorradrennstrecke, dem Schottenring, gab einen Vorgeschmack auf künftige Bikerfreuden. Nass und durchgefroren wie wir waren, war die rustikale Gatstätte auf dem Hoherodskopf am frühen Nachmitteg nach ca. 270 km eine willkommene Zuflucht. Vatertag! Und wir tranken erst mal einen heißen Tee. Alkohol und Mopped fahren verbieten sich sowieso. Der ersten Überraschung, den höchst bescheidenen Preisen auf der Speisekarte, folgte ein handfester Zubiss der regiontypischen Art, ein harmloses Schäkern mit der attraktiven Kellnerin und wer hätte es gedacht, zaghafte Sonnestrahlen hatten sich durch das Einheitsgrau des Himmels gekämpft.
 
Nun trocken und die Launen spürbar aufgehellt, verließen wir den Vogelsberg über Grebenhain und Steinau a.d.Str., um dahinter in den Spessartwald Richtung Jossa einzutauchen. Bis dahin hatten wir bereits ca. 350 km unter den Rädern. Was lag da näher, als nach dem Begüßungszermoniell und Quartierbezug die steifen Knochen noch mit einen kleinen Spaziergang durch den nun sonnendurchfluteten Wald nach dem auf bayrischer Seite gelegenen Emmerichstal anzugehen? Keine Sorge, nicht das Streben nach körperlicher Ertüchtigung, sondern vielmehr die verheißenen hausmacher Wurstplatten verursachten den Wandertrieb. Nach dieser Stärkung, verbunden mit den ersehnten Vatertagsbierchen fiel dann auch der Rückmarsch nach Jossa durch das Tal des Lederhosenbaches nicht schwer. Dermaßen durch Fahren, Wandern, reichlichem Essen und maßvollem Biergenuss wohlig geschwächt, hatten wir uns den Nachtschlaf redlich verdient.
 
Am Freitag dann, nach ausgiebigem Frühstück und einem ersten Pfeifchen für Hans, sollte dann die Rhön Ziel unserer Bikerträume sein. Und richtig, Hans, der Tourguide, hatte mehrere Leckerbissen parat. Nach einigen Aufwärmkürvchen in der Gemeinde Sinntal folgte dann hinter Herolz bei Schlüchtern eine für Motorradfahrer fantastische kurvenreiche Berg- und Talfahrt auf einer Strecke, welche noch vor wenigen Jahren als Wertungslauf zur Deutschen Ralleymeisterschaft diente und wo in den siebziger Jahren noch Bergennen für Autos und Motorräder gefahren wurden. Kenner der Motorsportszene wissen, wovon hier die Rede ist. Aber keine Sorge, wir haben nur die Strecken genossen, nicht es etwa den Profis versucht gleich zu tun, wie sich das für ältere Herren gehört. Über Sterbfritz führte der kurvenreiche Weg dann über Schwarzenfels und Züntersbach durch das Kurviertel von Bad Brückenau, fast bis nach Bad Kissingen. Winzige bis langgestreckte Rhöndörfer säumten unseren Weg über Bischofsheim, dem Kreuzberg, Wildflecken über Gersfeld auf die Wasserkuppe, die neben ihren Attraktionen wie Sommerrodelbahn, Segelflugmuseum, reger Segel- unf Modellflugbetrieb zwischenzeitlich zu einem beliebten Bikertreff mutiert ist. Auf dem anschließenden Weg über Pfaffenhausen, Fulda, Kothen, Motten, Speicherz erlebten wir dann auch einen ersten Motorradunfall, wobei aber kein Personenschaden entstanden war. Es war nur ein leichter Abflug in einer unterschätzten Kurve. Und wie um zu demonstrieren, wie es zu solchen Ausritten kommt, wurden wir gemächlich fahrenden Opas von einer Meute Zündschlüssellutscher überholt, für die man eigentlich nur ein Kopfschütteln übrig haben kann. Nach ausgiebiger Pause mit Kaffee und Kuchen auf dem Marktplatz in Bad Brückenau, den wir vorher verbotenerweise mit den Maschinen durchfahren hatten, lag unser Jossa dann wieder nah. Mächtige gegrillte Schweinshaxen waren dann, verbunden mit einem Gang durchs Dörfchen und einem Absacker bei Wilhelm, unserem Pensionswirt, ein würdiger Tagesausklang.
 
Der Samstag. Wieder lichteten sich schnell die Nebelschwaden über dem Dorf und es versprach, ein sonniger Tag zu werden, was dann auch so eintraf. Wenn (B)engel reisen! Der Spessert sollte es heute sein, Schloss Mespelbrunn war das Ziel. Natürlich war das wieder eine attraktive Strecke, was Berge, Täler und Kurven anbelangte. Keine Strecken für Raser, eher was Beschauliches, wie es eben unseren Vorstellungen von Motoradreise entspricht. Was war da anders als in der Röhn? Nun, es war der herrliche Mischwald. Wald, Wald, Wald. Kaum einer von uns hatte schon mal so viel Wald am Stück gesehen. Dabei aber keine plantagenartigen Nadelhölzer. Nein, natürlich gewachsener und gepflegter Laub- und Mischwald. Ein wunderschöner Kontrast zu den eher rauhen und weitläufigen Zügen von Rhön und Vogelsberg. Vogelkundler hätten an der sicht- und hörbaren ornithologischen Vielfalt ihre helle Freude gehabt. Über die Wegscheide vor Bad Orb, Heigenbrücken, Weibersbrunn erreichten wir Mespelbrunn mit seinem geschichtsträchtigen und weltbekannten Schloss, vor dessen Kulisse in diesem Sommer "Das Wirtshaus im Spessart", welches ja nahegelegen tatsächlich existiert haben soll, an allen Wochenenden aufgeführt wird. Uns schmeckte im Schlosscafe eine Forelle Müllerin aus dem Schlossteich, bevor wir über Partenstein Lohr erreichten.
 
Dann Richtung Gemünden, wobei wir auf dem kurzen Stück bis zur Abfahrt Rengersbrunn auf der breiten Bundesstraße unseren Moppeds auch mal die Zügel frei geben konnten. Vorbei an der Sintersbachtalsperre, ein E-Werk der Deutschen Bahn, lud uns die Bayrische Schanz zu Nachmittagskaffee und Kuchen ein. Von dort aus waren es dann nur noch wenige Kilometer zum Quartier in Jossa. Machen so viele Eindrücke nicht müde? Nein. Die Waldgaststätte Dittenbrunn, auf einem schon seit Jahrhunderten existenten und bewirtschafteten Bauernhof gelegen, sollte das Ziel einer kleinen Wanderung sein. Es war nicht so beschwerlich wie ins oben erwähnte Emmerichstal. Der Weg war etwas kürzer und dabei flach. Durch die vielen Sängern noch bekannte Schachbrettblumenwiese mit ihrer außergewöhnlichen Pflanzenvielfalt, führte der Weg entlang des Waldrandes am Grauberg durch das Tal der nahen Sinn, welche bei Gemünden in den Main mündet. Wieder war es eine köstliche Vesperplatte und neben den obligatorischen Getränken auch ein unerwartet milder und reifer Obstler, die den Abschied von der herzlichen Gastlichkeit der Wirtsleute schwer machten. Der Rückmarsch nach Jossa bei einsetzender Dunkelheit verwöhnte die Augen mit seiner Vielfalt an für uns Rheinländer ungewohnten Sinneseindrücken.
 
Der Sonntag war der Rückfahrt nach Pesch vorbehalten. Damit es nicht so eintönig wird, nahmen wir noch einen kleinen gemütlichen Abstecher über eine ehemalige Bergrennstrecke nach Steinau, dann Birstein nach Gelnhausen unter die Räder. Gelnhausens Oberstadt ist höchst geschichtsträchtig. Barbarossa soll hier kurzzeitig gelebt haben und auch Phillip Reis, der Miterfinder des Telefons, war Kind dieser Stadt, aus welcher auch der berühmte Hürdenläufer Harald Schmid stammt. Kleine Stärkung, tanken und ab ging es auf die Autobahn Richtung Heimat.
 
Pausen auf den Raststätten Dollenberg und Aggertal dienten der stressfreien Heimreise. Gegen Nachmittag war Pesch erreicht, nach dem wir insgesamt 1100 km bei herrlichem Wetter -bis eben auf einen großen Teil der Anfahrt- zurückgelegt hatten. Den Ausklang bildete dann am Abend ein gemeinsames Abendessen mit unseren Mädels, die froh waren uns unbeschadet wieder zu haben, im Platanengarten bei Johannes. (HaBo)